Die gute Nachricht vorweg: Trotz des Iran-Krieges besuchten 5.000 Besucher*innen das Jewish Music Today Festival! Von den rund 100 Künstler*innen, die zum Festival eingeladen waren, konnten neun Musiker aus Israel nicht anreisen. Darunter der Headliner des diesjährigen Festivals Gal Klein. Drei von insgesamt siebzehn unterschiedlichen Konzerten konnten nicht stattfinden. Auch der Musik-Workshop – das Herzstück des Festivals - war betroffen. Doch die Klezmer-Szene kennt sich untereinander und unterstützt sich gegenseitig. So sind spontan Sanne Möricke und Jake Shulman-Ment als Dozent*innen eingesprungen. Das Abschluss-Konzert des Workshops mit dem Fürther Klezmerorchester „Tsuzamen“ stand symbolisch für den Spirit des Festivals: Zusammenkommen, gemeinsam musizieren und tanzen, über alle Grenzen hinweg – trotz aller politischer Hindernisse.
Schon die Eröffnung des Festivals zog bei der friedlichen Parade mit der Marchin’Klezmer Band „Klezmaniaxx“ und dem anschließenden Tants-Hoyz im Kulturforum bei freiem Eintritt rund 600 Gäste an. Alt und jung versuchten sich fröhlich an den Kreis- und Reihentänzen, legten virtuose Solo-Einlagen aufs Parkett und hatten unter dem diesjährigen Festivalmotto „tsuzamen“ einen Riesenspaß!
Die Musiker*innen aus Kanada, Lettland, den USA, Belgien, Israel, der Ukraine, den Niederlanden, Polen, Russland und Großbritannien brachten allesamt gute Laune in die Kleeblattstadt. Ausverkauft waren vor allem die klassischen Klezmer-Konzerte mit „Kleztory“ aus Kanada und „The Klezmatics“ im Stadttheater sowie das „Klezmer-Koffer-Brunch“ in der Kofferfabrik.
Das Jewish Music Today Festival zeichnet sich immer wieder durch die besondere Atmosphäre aus. Hier entstehen Verbindungen zwischen Musiker*innen und Publikum, es wird im Takt geklatscht, mitgesungen und getanzt – selbst bei den bestuhlten Konzerten blieben selten alle Besucher*innen sitzen. Die Musik ist einfach zu mitreißend. Zu völlig ungewohnten Tanzbewegungen regte die aus Tel Aviv angereiste Magi an. Mit ihrem Mix aus jemenitischen Gebetsgesängen, arabischen Klängen und dem Sound der Underground-Szene in Jaffa trat sie nicht nur als Botschafterin zwischen der arabischen und jüdischen Kultur auf, sondern lud zum vibrierenden, orientalischen Hüftschwung ein.
Neben Magi brachten auch Nani Vazana und „NeoKlez“ neue Farben in das Programm. Nani Vazana begeisterte mit einer One-Woman-Show an Posaune und Piano, in der sie mit ihrer kraftvollen Stimme die Ladino-Sprache in eigenen Kompositionen wiederbelebte. Die Klezmer-Revolution kam bei diesem Festival aus Polen: Die Band „Neoklez“ präsentierte kompromisslos energiegeladenen Klezmer im unbestuhlten Saal des Kulturforums. Zu satten Beats und Synthesizer-Sounds groovte das gesamte Publikum.
Das Festivalteam des Kulturamtes sieht sich auch als Impulsgeber für die Musik-Szene und hat in den vergangenen Jahren eigene Produktionen in Auftrag gegeben. 2022 startete das Kindermusical „Ben & David“, das auch bei diesem Festival mit seinen Ohrwürmern wieder für Begeisterung sorgte. Das Projekt „Mishmashers“, in dem die Thilo Wolf Big Band mit dem kanadischen Rapper, Komponisten und Multi-Instrumentalisten Socalled ebenfalls 2022 das Stadttheater rockte, gehört ebenso zu den Eigenproduktionen wie das 2024 initiierte gemeinsame Konzert von DJ Yuriy Gurzhy und Kabbala-Rapperin Victoria Hannah. 2026 waren es nun wieder der langjährige Festivalbegleiter Yuriy Gurzhy und das Orchester Ventuno, die das Kulturamt zusammenbrachte. Mit dem Konzert „Ist das jüdisch?“ begaben sie sich auf eine Spurensuche nach der typisch jüdischen Musik. Fazit: Die Antwort darauf ist vielfältig, wie eben auch die Musik! Dass auch Amy Winehouse und Billy Joel zu den jüdischen Musikern zählen, wer hätte das gewusst?
Das große Finale des Festivals fand am Sonntag im ausverkauften Stadttheater statt. Hier beschwor die legendäre Band „The Klezmatics“, die 2006 einen Grammy gewann, die verbindende Kraft dieser Musik. Standing-Ovations!
Ein vielseitiges Rahmenprogramm gab Einblick in verschiedenste Facetten der jüdischen Kultur. So konnten Neugierige im kultur.lokal.fürth dem bildenden Künstler Gabriel Wolff beim Entstehen seiner Kunstwerke mit hebräischer Kalligrafie zusehen und mit ihm ins Gespräch kommen. Auch der Happy Hippie Jew Bus und die Gottesdienste der Israelitischen Kultusgemeinde und der Auferstehungskirche regten dazu an, nach Gemeinsamkeiten der christlichen und jüdischen Religion zu suchen.
Die Kinofilme des Uferpalasts im Kulturforum und die Stadtführungen zur jüdischen Geschichte sowie Workshop und Führungen des Jüdischen Museums Franken boten viele Möglichkeiten, sich mit jüdischer Geschichte und jüdischer Gegenwart zu beschäftigen.
In zwei Jahren, vom 10. bis 19. März 2028 geht das Jewish Music Today Festival ins 40. Jubiläumsjahr: 1988 als Fest des jiddischen Liedes vom Kulturamt der Stadt Fürth ins Leben gerufen, ab 2000 unter dem Titel „Internationales Klezmer Festival“ berühmt geworden, entdeckt es unter dem neuen Titel „Jewish Music Today“ vielversprechende Musik auch jenseits des klassischen Klezmers.